Buchenwälder sind weltweit einzigartig. Sie sind das, was die Steppen für Asien oder die Regenwälder für Südamerika sind: Europas Wildnis, Urheimat und somit Bestandteil unserer europäischen Identität - Sie sind aber auch eines: UNESCO-Welterbe und gehören somit zum Erbe der gesamten Menschheit.
Das „UNESCO-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ ist die größte serielle Welterbestätte der Welt.

Es umfasst eine Fläche von ca. 98.125 Hektar und wird von 18 europäischen Staaten verwaltet. Gemeinsam schützen sie 94 Teilgebiete der Stätte – die letzten verbliebenen Buchen-Urwälder und jahrhundertealte, vom Menschen unveränderte Buchenwaldgebiete Europas.  

Zusammen dokumentieren sie die nacheiszeitliche Waldentwicklung Europas – ein Naturphänomen, das sich an keiner anderen Stelle der Welt so gut zeigen lässt wie in den verbliebenen Buchenwäldern Europas.

Dies macht sie zu einer Stätte von „außergewöhnlichem universellem Wert“ – zu einem Erbe der Menschheit.

Teilgebiet Jasmund auf Rügen

Eines der 94 Teilgebiete befindet sich im Herzen des Nationalparks Jasmund. Es umfasst eine Fläche von 493 ha und zählt zu den letzten unversehrten Wäldern Europas, in denen der natürliche Kreislauf von Werden und Vergehen durch nichts gestört wird und noch ewig fortbesteht. 

Was ist eigentlich Wald?

Ökologisch betrachtet ist Wald eine strukturell von Bäumen bestimmte Vegetationsformation, ein komplexes, sich selbst regulierendes dynamisches Ökosystem von außerordentlicher Vielfalt in Abhängigkeit vom Klima und von weiteren Standortfaktoren (Otto 1994, Schroeder 1998).

Wälder sind das bedeutendste terrestrische Ökosystem unseres Planeten:

  • Sie sind das produktivste Landökosystem im Hinblick auf die Primärproduktion von Biomasse,
  • sie stellen nach den Ozeanen die bedeutendste globale Kohlenstoffsenke dar,
  • sie sind der wichtigste Sauerstoffproduzent,
  • sie beherbergen einen immensen Teil der globalen biologischen Vielfalt.

Wälder sind einerseits vom Klima abhängig, indem sie auf ausreichende Niederschläge und Wärmesumme angewiesen sind. So können Wälder überall wachsen, sofern Feuchtigkeit und Vegetationszeit ausreichen. Dem Wald sind nur Grenzen gesetzt, wenn nicht genügend Wasser verfügbar (Trockengrenze) oder die Vegetationszeit zu kurz ist (polare und alpine Waldgrenze). Zwischen diesen zonalen Waldgrenzen sind die Wälder in ihrer Struktur und Zusammensetzung in erster Linie entsprechend unterschiedlichen Klimas differenziert, erst in zweiter Linie entsprechend Nährstoffangebot und Bodenfeuchte. 

Wälder wirken aber auch auf das Klima zurück, indem sie 

  • durch Beschattung und Verdunstung die Erdoberfläche kühlen, 
  • Kohlendioxid durch Photosynthese der Atmosphäre entziehen und Kohlenstoff in Biomasse und Boden speichern, 
  • Stoff- und Wasserhaushalt ausgleichen, 
  • zur Wolkenbildung beitragen. 

All diese und weitere ökosystemare Leistungen vollbringen Wälder ganz ohne Zutun des Menschen Jahr für Jahr seit Jahrtausenden und Jahrmillionen.

Laut § 2 Bundeswaldgesetz wird Wald wie folgt definiert: »(1) Wald im Sinne dieses Gesetzes ist jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs und Sicherungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen.« (BWaldG 2017)

Ökonomisch betrachtet ist Wald eine forstwirtschaftlich genutzte Fläche mit dem Primärziel, Holz zu produzieren. Man bezeichnet diese Wälder als Wirtschaftswälder bzw. Forste.

Umgangssprachlich ist Wald eine mit Bäumen versehene Fläche.

Was ist an unseren Buchenwäldern so besonders?

Ursprüngliche Buchenwälder sind ein ganz besonderes europäisches Naturerbe. Sie liefern den zentralen europäischen Beitrag zur weltweiten biologischen Vielfalt. Was macht sie weltweit so einzigartig?

Zuhause in Europa

Buchenwälder gehören zu den faszinierendsten Wald-Ökosystemen dieser Erde. Experten sprechen dabei von einem so genannten „Stamm-Ökosystem“, d. h. von einem Ökosystem, das seinen Stammplatz hier in Mitteleuropa hat und das in seiner spezifischen Ausprägung sonst nirgendwo anders auf der Welt angetroffen werden kann.

Dominanz einer einzigen Baumart

Die Dominanz einer einzigen Baumart, der Rotbuche (Fagus sylvatica), ist das Charakteristische und zugleich das „Einzigartige“ dieses Wald-Ökosystems. Prägnant für die Buche ist vor allem eine Eigenschaft: Sie ist in der Lage, die Sonnenstrahlung optimal zu nutzen und selbst unter extrem ungünstigen Lichtbedingungen noch zu wachsen. Nur ganz wenige mitteleuropäische Baumarten haben diese Fähigkeit.

Enorme Anpassungsfähigkeit

Die Buche verfügt mit ihrem markanten, silbrig-grauen Stamm über eine enorme Anpassungsfähigkeit. Sie wächst auf kalkigen, nährstoffreichen Standorten ebenso wie auf sauren, nährstoffarmen und sogar auf mäßig feuchten oder trockenen, felsigen Böden und kann im Zentrum ihrer Verbreitung von der Küste bis zum Hochgebirge in fast jeder Höhenstufe überleben. Die außergewöhnlich weite klimatische Amplitude der Buche reicht bei der Jahresmitteltemperatur von 4 Grad Celsius bis 12 Grad Celsius und bei den mittleren Jahresniederschlägen von 450 Millimeter bis etwa 2.000 Millimeter.

Auf Rückeroberungskurs

Die Buche hat es aufgrund ihrer großen ökologischen Potenz geschafft, nach der Eiszeit aus kleinen Rückzugsgebieten im Süden und Südosten Europas heraus in den letzten 4.000 Jahren weite Teile Europas zu besiedeln. Diese Rückbesiedelung dauert noch an und stellt ein weltweit einmaliges Beispiel dar, wie eine einzige Baumart sich gegenüber ihren Konkurrenten durchsetzen und auf großer Fläche dominieren kann.

Enorme biologische Vielfalt

Buchenwälder stellen trotz der Dominanz nur einer Baumart den idealen Hauptlebensraum für viele heimische Pflanzen- und Pilzarten (ca. 4.300) sowie Tierarten (ca. 6.700) dar. Sie sind also keineswegs artenarme Monokulturen – ganz im Gegenteil. Gerade in ihrer naturbelassenen, strukturreichen Form zeichnen sie sich durch eine enorme biologische Vielfalt aus, deren Spektrum durch Kleinbiotope, wie z.B. Quellen, Moore, Felsen, noch erweitert wird. 

Anpassung an Jahreszeiten

Besonders ist auch der jahreszeitlich bedingte Wandel der Buchenwälder. So lockt das zarte Grün des ersten Laubaustriebes im Frühling und das prächtige Farbenspiel im Herbst viele Menschen in die Natur.

Kulturell tief verwurzelt

Die europäische Kultur ist tief mit den Buchenwäldern verwurzelt. So verlief die nacheiszeitliche Rückbesiedlung der Landschaft durch die Buche parallel zur Seßhaftwerdung unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit. Buchenwälder waren deren wichtigste Lebensgrundlage. Sie gaben ihnen Brenn- und Bauholz sowie Nahrung für Mensch und Vieh („Fagus“ von griechisch „phagein“ = essen).  Sie wirkten sich aber auch auf die Kreativität und das schöpferische Schaffen der  Menschen aus. Die Natur stand, wie in vielen anderen Kulturen der Erde auch, auch hier Pate für unsere ganz eigenen kulturellen Identität. Beispielhaft stehen hier unsere Mythen und Sagen, der Einfluss auf unsere Sprache (Buchstabe, Ortsbezeichnungen) und die mächtigen mittelalterlichen Kathedralen, deren hallenartige Bauweise an die glatten hohen Stämmen im gedämpften Licht unserer Buchenwälder erinnert.

App in den wilden Wald

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